Turbulenter Chip-Markt: Die Gemeinsamkeit von ARM und Android

Übersicht der Top-20 Chip-Hersteller 2012 nach iSuppli

Übersicht der Top-20 Chip-Hersteller 2012. Quelle: IHS iSuppli Research

Der zunehmende Wandel hin zu mobilen Endgeräten verändert auch die Chip-Industrie – die offenbar viel zu lange auf den inzwischen schwächelnden PC-Markt gebaut hat. Eine Spurensuche.

Intel bleibt Spitzenreiter im Chip-Markt

Man nennt die letzten Wochen des Jahres ja auch gerne die stille Zeit, und zumindest für Studien zum Mobile-Markt ist sie das auch: Der sonst stete Strom an neuen Zahlen ist in den letzten Tagen etwas ins Stocken geraten. Um trotzdem auch an dieser Stelle mal wieder ein Lebenszeichen absetzen zu können, hab ich einen kleinen Blick über den Tellerrand gewagt und mir eine Studie von IHS iSuppli Research zu den aktuell größten Chip-Herstellern angeschaut. Der grundlegende Tenor: Der anhaltende Trend zu Smartphones und Tablets wirbelt auch die Chip-Industrie gehörig durcheinander.

Laut der von IHS iSuppli Research veröffentlichten Übersicht der 20 größten Chip-Hersteller liegen Intel und Samsung im Vergleich zum Vorjahr unverändert an erster und zweiter Stelle, die wirklich großen Verwirbelungen machen sich also erst auf den folgenden Plätzen bemerkbar. Qualcomm zum Beispiel löst Texas Instruments als drittgrößten Chip-Hersteller ab, und dabei wurde Qualcomms neueste Prozessor-Generation, der vierkernige Snapdragon S4, erst vor kurzem vorgestellt und dürfte in den nächsten Wochen und Monaten in vielen Highend-Smartphones und –Tablets verbaut werden.

Bis zu Samsung hat Qualcomm da zwar noch einiges an Weg vor sich, der zweite Platz dürfte Qualcomm aber bis auf Weiteres sicher sein – zumal sich Texas Instruments (dessen OMAP-Chips zum Beispiel in Amazons Kindle Fire verbaut sind) inzwischen aus dem Markt für Smartphone- und Tablet-Prozessoren verabschiedet hat.

Was ARM und Android gemeinsam haben

Während Intel inzwischen erste Schritte auf dem Mobile-Markt macht und im Motorola RAZR i nun tatsächlich den ersten eigenen Chip in einem Smartphone platzieren konnte, setzt AMD nach wie vor ausschließlich auf den stagnierenden PC-Markt. Kein Wunder also, dass AMD einen Umsatzeinbruch von fast 18 Prozent hinnehmen muss und vom 11. auf den 12. Platz abrutscht. Kein Wunder auch, dass AMD daraufhin seine Bestellungen für Komponenten zur Chip-Produktion trotz Strafzahlungen herunterfahren musste.

Dem Ericsson-ST-Joint Venture STMicroelectronics ist es mit einem Umsatzrückgang von gut 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ähnlich gegangen, folgerichtig wurde jetzt das Ende des Joint Ventures bekannt gegeben. Schon anhand dieser wenigen Beispiele wird deutlich, dass vor allem die Nachfrage nach mobilen Endgeräten und die härter werdende Konkurrenz bei Chips für Smartphones und Tablets derzeit gehörig Bewegung in den Chip-Markt bringt.

Ein interessanter Blogbeitrag der Marktforscher von VisionMobile zeigt dabei, dass es neben dem rein technischen Unterschied zwischen x86- und ARM-Strukturen von Prozessoren (oftmals der vermutete Grund für die „Zurückhaltung“ seitens Intel im mobilen Markt) auch einen grundlegenden Unterschied in der Logik der Märkte gibt, der den bisherigen Misserfolg von Intel im mobilen Chip-Markt erklären kann.

Während im Markt für mobile Chips viele Hersteller unterwegs sind, die die ARM-Architektur lizenzieren, herrscht im Markt für PC-Chips nach wie vor ein faktisches Duopol aus Intel und AMD, das andere Hersteller quasi ausschließt. Letztendlich, so Stijn Schuermans im VisionMobil-Blog, sei ARM vergleichbar mit Android: „a freely licensable piece of intellectual property that underpins the majority of mobile devices.” Qualcomm und Samsung scheinen der Unterschied verstanden zu haben.

[2.2.2014, Update: Die verlinkte Pressemitteilung zum Ende des Joint Ventures STMicroelectronics ist leider nicht mehr im Netz verfügbar.]