Surface und iPad: Wenn Analysten schätzen…

In den letzten Tagen wurden zwei Einschätzungen von Analysten zu iPad- und Surface-Verkaufszahlen munter durch die verschiedensten Technik-Medien gereicht. Aber warum giert die Branche eigentlich derart nach so nichtssagenden Prognosen?

Surface- und iPad-Verkaufszahlen

Glaubt man Brent Thill von UBS, dann hat Microsoft im vierten Quartal 2012 eine Million Surface RT-Geräte verkauft. So zumindest Cnet und Business Insider und ZDNet und Bloomberg und AllThingsDigital und Winfuture und Mashable usw. (eines der wenigen Beispiele für zweifelndere Töne übrigens auf Mobilegeeks.de). Wie glaubwürdig diese Einschätzung ist, zeigt dabei eigentlich schon die Tatsache, dass Brent Thill bei früheren Schätzungen glatt von der doppelten Menge ausgegangen ist. Zumindest die erste Schätzung hätte sich demnach als ziemlich falsch erwiesen.

Glaubt man wiederum Mark Moskowitz von J. P. Morgan, dann konnte Apple aufgrund von Lieferschwierigkeiten lediglich 18,4 statt der angepeilten 20,1 Millionen iPads verkaufen. Und auch hier verbreitet sich die vermeintliche News über diverse Seiten wie ZDNet, IT-Times, Silicon.de, AppleInsider, MacNews usw. Welchen Informationswert haben derartige Meldungen, außer der Tatsache, dass es sich ein einzelner Analyst von UBS oder J. P. Morgan oder sonst wem zutraut, eine Prognose abzugeben? Wie diese Prognose zustande gekommen ist, wird dabei selten verraten.

Berichterstattung in der wunderbaren Online-Welt

Anders als bei Markforschern, die Verkaufszahlen von Herstellern, Bestellungen von Zulieferern oder Nutzer-Befragungen als Basis ihrer Analysen und Studien heranziehen, und anders als Werbenetzwerke, die ihre tatsächlich erfolgten Ad Impressions auswerten, basieren diese Analysen aber nun einmal auf wenig mehr als auf subjektiven Einschätzungen und Meinungen – meist aufgrund zweifelhaften „Insider-Wissens“. Dementsprechend tendiert die Aussagekraft stark gegen Null. Warum wandern derart nutzlose Aussagen dann trotzdem durch die Bank auf fast alle Technik-Seiten? Warum wird ihnen eine derart große Bedeutung beigemessen?

Die Erklärung liegt wohl im Phänomen der wunderbaren Online-Welt: Der Erste, der über die Meldung stolpert, will sie auch unbedingt als Erster haben – Unique Content und Backlinks sind die harte Währung der Onliner. Und schon ist das Karussell in Gang geraten: Mit jedem neuen Verweis, mit jeder neuen News auf einem neuen Portal wird die Meldung vermeintlich immer wichtiger, bis es sich auch der Letzte nicht mehr leisten will, darauf zu verzichten – am Ende könnte ihm ja die Leserschaft wegbrechen, wenn besagte Meldung überall steht, aber nicht bei ihm. Wie sinnvoll oder aussagekräftig das Ganze dabei tatsächlich ist, spielt am Ende keine Rolle mehr.

Und so finden sich die besagten Meldungen auch hier, auf mobile-studien.de. Dann aber mit der richtigen Einordnung: Alles Mumpitz. Aber darauf verzichten? Niemals!

Update, 24.1.2013: Inzwischen hat Apple seine offiziellen Quartalszahlen bekannt gegeben. Demnach wurden im vierten Quartal 2012 insgesamt 22,9 Millionen iPads verkauft – deutlich mehr, als die zunächst geschätzten 20,1 Millionen, von der auf 18,4 Millionen iPads reduzierten Schätzung gar nicht erst zu reden. Ein deutlicher Beleg dafür, wie wenig von derartigen „Analysten-Schätzungen“ zu halten ist.