Mobile Effects-Studie mit methodischen Schwächen

Besitz und Verbreitung von Smartphones und Tablets.

Besitz und Verbreitung von Smartphones und Tablets. Quelle: Mobile Effects 2013 Special Editition Vol. 2, S. 6

Laut Special Edition Vol. 2 der Mobile Effects-Studie von Tomorrow Focus Media besitzen derzeit fast 50 Prozent aller Internetnutzer ein Smartphone. Die Methodik wirft allerdings einige Fragen auf.

Mobile Effects-Studie verzichtet auf Repräsentativität

Die Studien-Reihe Mobile Effects von Tomorrow Focus Media wird bereits seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen aufgelegt und rückt mit der zweiten Special Edition 2013 jetzt erneut Themen in den Fokus, die bisher wenig Beachtung fanden. Konkret geht es in der Special Edition Vo. 2 um die Smartphone- und Tablet-Nutzung in Deutschland.

Nach wenig überraschenden „Neuigkeiten“ (die Verbreitung mobiler Endgeräte nimmt zu, es gibt unterschiedliche Nutzungsmotive für Smartphones und Tablets, iPhone und iPad werden mehrmals am Tag genutzt – das alles weiß man auch ohne Mobile Effects!) folgt auf Seite 6 eine Übersicht zu Besitz und Verbreitung von Smartphones und Tablets, die stutzig macht: Laut Mobile Effects-Studie besitzen 48,7 Prozent aller 1.974 Teilnehmer einer Onsite-Befragung im Tomorrow Focus Media-Netzwerk ein Smartphone, 17,6 Prozent ein Tablet.

Wohlgemerkt, die Zahlen beziehen sich lediglich auf die Nutzer im TFM-Netzwerk, und dieser methodischen Verzerrung ist man sich offensichtlich auch bei Tomorrow Focus Media bewusst. Aber, so der Studiensteckbrief auf Seite 3: „In Bezug auf die deutsche Internetbevölkerung können (…) natürlich Tendenzaussagen getroffen werden.“ Tendenzaussagen also, von Repräsentativität, sonst in ähnlichem Zusammenhang von Studienanbietern gerne erwähnt, ist hier nicht die Rede. Das deutet daraufhin, dass die Befragten nicht gezielt nach ausgewogenen Kriterien ausgewählt wurden, sondern zufällige Nutzer herangezogen wurden.

Die unklare Fragestellung führt zu unklaren Ergebnissen

Ein Rückschluss auf die Gesamtbevölkerung ist auf dieser Grundlage nicht möglich, dazu bedarf es repräsentativer Umfragemethoden, wie sie der Branchenverband Bitkom regelmäßig anwendet. Demnach besitzen derzeit etwa 40 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren ein Smartphone. Eine Aussage, die wesentlich mehr Inhalt bietet.

Bauchschmerzen bereitet aber auch die dankenswerterweise mit angegebene Fragestellung. Um den Smartphone-Besitz zu ermitteln wurden die Nutzer offenbar mit den Worten „Wer ist der Hersteller Ihres Mobiltelefons bzw. Smartphones?“ befragt. Wieso wurde hier nicht einfach nach der Nutzung eines Smartphones oder herkömmlichen Mobiltelefons gefragt? Wie soll es möglich sein, anhand des Herstellers einen Rückschluss auf die Art des Mobiltelefons ziehen zu können? Was bei Blackberry und Apple noch funktioniert, wird bei Nokia, Samsung und Co. schlicht unmöglich.

Damit geht der Informationswert der Mobile Effects 2013 Special Edition Vol. 2, zumindest was die Verbreitung von Smartphones und Tablets betrifft, leider rapide gegen null.