Jolla und Lenovo – Chancen im europäischen Markt?

Das auf der IFA 2013 vorgestellte Lenovo VIbe X

Das auf der IFA 2013 vorgestellte Lenovo VIbe X. Quelle: Lenovo

Sowohl Lenovo als auch Jolla werden demnächst Smartphones in Deutschland und Europa anbieten. Aber wartet der deutsche und europäische Markt tatsächlich auf neue Smartphone-Hersteller?

Lenovo und Jolla treten in den deutschen und europäischen Smartphone-Markt ein

Die Ankündigung von Lenovo, bald auch in Deutschland Smartphones verkaufen zu wollen, kam einigermaßen überraschend. Nur einigermaßen, weil Lenovo in seinem chinesischen Heimatmarkt schon seit längerem eine ernstzunehmende Marktmacht darstellt und inzwischen auch global zu den größten fünf Smartphone-Herstellern gezählt wird (3. Platz bei Gartner, 4. Platz bei IDC und 5. Platz bei Strategy Analytics). Da liegt es nahe, mit bestehenden Produkten neue Märkte zu erschließen.

Die baldige Auslieferung von Jollas ersten Smartphones mit dem eigenen Betriebssystem Sailfish OS dagegen kommt alles andere als überraschend und wurde vielmehr bereits vor einiger Zeit angekündigt. Während Jolla allerdings schon in wenigen Wochen erste Smartphones ausliefert, dürfte es noch eine Weile dauern, bis auch hierzulande Lenovo-Smartphones zu haben sind – zuerst muss offenbar noch an der Vertriebsstruktur gefeilt werden.

Etablierte Marke oder spannender Underdog – wer macht das Rennen?

Trotzdem stellt sich bei beiden Herstellern die Frage nach den Marktchancen. Klar, Jolla hat als Underdog alle Sympathien auf seiner Seite, zudem sollen Sailfish-Smartphones Android-Apps ausführen können, aber reicht das?

Lenovo auf der anderen Seite ist mit Laptops und Tablets auch in Deutschland bereits eine etablierte Marke und wird einiges an Marketing-Budget auffahren, um ausreichend Werbedruck aufzubauen. Dafür dürfte bei Lenovo aber auch die Erwartungshaltung eine andere sein als bei Jolla. Der überraschende Ein- und schnelle Wiederaustritt von Panasonic aus dem europäischen Smartphone-Markt Anfang diesen Jahres jedenfalls dürfte Lenovo ein warnendes Beispiel sein.

Dabei kann Deutschland weder bei Jolla noch bei Lenovo das alleinige Ziel sein, für das laufende Jahr erwartet der Branchenverband Bitkom hierzulande gerade einmal 28 Millionen verkaufte Smartphones – zumindest für Lenovo ein viel zu kleiner Markt, weltweit wurden alleine im dritten Quartal 2013 etwa 250 Millionen Geräte verkauft.

Sowohl Deutschland als auch Europa sind hart umkämpfte Märkte

Die größten Gerätehersteller in Europa.

Die größten Gerätehersteller in Europa. Quelle: Kantar Worldpanel

Aber auch Europa, der viel logischere Zielmarkt, wird wie der globale Markt von wenigen großen Playern dominiert. Laut Kantar Worldpanel sind die fünf größten Smartphone-Hersteller in Europa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien) zusammen für mehr als 85 Prozent der Marktanteile verantwortlich, global sind es z.B. laut Gartner nur 60 Prozent.

Weltweit hat es Lenovo in den Top 5 also mit nur vier Konkurrenten zu tun (Samsung, Apple, Huawei und LG), die zusammen gut 50 Prozent des Marktes ausmachen. In Europa dagegen ist Lenovo noch nicht aktiv und wird sich, den eigenen Ansprüchen entsprechend, gegen die fünf größten Smartphone-Hersteller Samsung, Apple, Sony, Nokia und HTC durchsetzen müssen, die zusammen besagte 85 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. Keine besonders guten Voraussetzungen, erst Recht nicht für Jolla.

Sowohl Deutschland als auch Europa sind hart umkämpfte Märkte, weder Jolla noch Lenovo werden es hier besonders leicht haben. Lenovo aber hat klar die besseren Erfolgsaussichten, trotz des sehr ähnlichen Negativbeispiels Panasonic. Markenname und Marketingbudget werden es schon richten.