Der Preis für 200.000 Windows Phone-Apps

App Stores im Überblick.

App Stores im Überblick. Quelle: Apple, Google, Microsoft, Blackberry

Microsoft arbeitet hart daran, die Anzahl verfügbarer Apps für Windows Phone weiter nach oben zu treiben. Inzwischen sind 200.000 Anwendungen verfügbar, aber der Preis dafür ist hoch.

Etwas versteckt in einem Aufruf an Entwickler, die Weihnachtsfeiertage zur Einreichung von Apps für Windows Phone und Windows 8 zu nutzen, hat Microsoft vor kurzem bekanntgegeben, dass inzwischen mehr als 200.000 Anwendungen für Windows Phone erhältlich sind.

Im Vergleich zu iOS und Android, für deren Plattformen bereits jeweils eine Million Apps vorhanden sind, scheinen 200.000 Anwendungen auf den ersten Blick recht wenig. Auch der wesentlich später gestartete Windows Store wächst schneller und kann sich bereits über mehr als 125.000 Apps freuen. Trotzdem sollten 200.000 Apps mehr als genug sein, um im Vergleich zu iOS und Android ähnliche Funktionalitäten zu bieten.

Mit 200.000 Apps gegen die „App Gap“

Die sogenannte „App Gap“, also die „Lücke“, die in Sachen Apps angeblich zwischen iOS und Android auf der einen Seite und Windows Phone auf der anderen Seite besteht, ist tatsächlich oft genug lediglich herbeigeschrieben, wie exemplarisch ein schon etwas älterer Blick auf News-Apps für Windows Phone zeigt.

Abseits größerer und kleinerer Marken, die inzwischen vermehrt Apps für Windows Phone veröffentlichen, gibt es allerdings tatsächlich eine Lücke: Windows Phone fehlt derzeit einerseits noch der dynamische Unterbau, also die Masse begeisterter Hobby-Entwickler, die bei iOS und Android mit der 10. Wasserwagen-App und dem 15. RSS-Reader maßgeblich für das rasante Wachstum der beiden Stores verantwortlich sein dürften.

Andererseits fehlt es aber auch an professionellen Entwicklern, die zwar noch keinen großen Namen haben, aber viel Zeit und Ressourcen und damit letztendlich Geld in die Umsetzung vermeintlicher oder tatsächlich innovativer Apps stecken. Die wenigsten aus diesem „Mittelfeld“ schaffen mit ihrer App den Durchbruch, der eine oder andere aber eben schon. Die meisten setzen dabei aber aus Kostengründen auf eine oder vielleicht noch eine zweite Plattform – aufgrund der größeren Reichweite fast ausschließlich auf iOS und Android.

Ob es für Windows Phone nun zwei oder zehn Wasserwagen-Apps gibt dürfte dem durchschnittlichen Nutzer ziemlich egal sein. Zudem sollte jedem klar sein, dass 50 wirklich gute Apps (wie viele Anwendungen nutzt der durchschnittliche Smartphone-Besitzer regelmäßig?) wesentlich mehr Zugkraft entfalten, als 500.000 Duplikate bereits bestehender Anwendungen.

Quantitative Kennzahlen bestimmen das Denken – auf Kosten qualitativ hochwertiger Apps

Trotzdem arbeitet Microsoft hart daran, seine beiden Stores weiter mit immer mehr Apps zu füllen, um dem Vorwurf der „App Gap“ zu begegnen, statt bewusst auf weniger, dafür aber qualitativ hochwertige Apps zu setzen. Eines der prominentesten Beispiele ist das noch im Beta-Stadium befindliche Windows Phone App Studio, mit dem sich über eine Weboberfläche und gänzlich ohne Programmierkenntnisse Windows Phone-Apps erstellen lassen. Auf diese Weise lässt sich vielleicht der Kreis der Hobbyisten erweitern, professionelle, aber noch unbekannte Entwickler wird man damit aber eher nicht überzeugen.

Der Preis für das schnelle Wachstum aber ist hoch: Letztendlich entsteht so genau die Art von Duplikaten, die man im Windows Phone Store eigentlich nicht haben will, weil sie den Blick auf die qualitativ guten Apps verstellen.

Die Kritik an diesem Vorgehen geht sogar soweit, dass beispielsweise auch jemand wie Matt Lacey, immerhin Nokia Developer Champion, nur dringlichst davon abraten kann, Apps im Store zu veröffentlichen, die mit Windows Phone App Studio erstellt wurden (nach dem ersten Update des App Studios revidierte er seine Kritik zwar leicht, bleibt im Kern aber bei seiner Aussage).

Microsoft setzt weiter auf die App-Rally

Man könnte es auch drastischer ausdrücken und den „Platform War“ im Mobile-Markt schon zugunsten von Android und iOS für beendet erklären, um so die Konzentration auf Qualität statt Quantität zu begründen. Als ob es dafür noch einer Begründung bedarf.

App-Maschine "Project Siena" im Windows Store.

Screenshot der neuen App-Maschine „Project Siena“ im Windows Store. Quelle: Microsoft

Microsoft aber scheint sich zumindest vorerst weiter für Quantität und damit für die Aufholjagd in der App-Rally zu entscheiden, statt selbstbewusst einen eigenen Weg zu suchen. Gestern nämliche wurde mit Project Siena das Äquivalent zu Windows Phone App Studio für Windows 8 veröffentlicht.

Ohne Programmierkenntnisse können “business experts, business analysts, consultants and other business users” mit Project Siena Windows 8-Apps erstellen, “using little more than PowerPoint- and Excel-level skills”, so S. Somasegar, oberster Chef der Entwicklungsabteilung bei Microsoft, im begleitenden Blog-Beitrag. Ob damit zukünftig die Art Apps erstellt werden, für die sich Windows 8-Nutzer begeistern?