Smartphone-Markt: AOSP-Marktanteil fällt auf 18 Prozent

Logo der Open Handset Alliance.

Logo der Open Handset Alliance. Wer Googles eigene Android-Version nutzen will muss hier Mitglied werden. Quelle: OHA

ABI Research hatte letztes Jahr damit angefangen, den AOSP-Marktanteil gesondert auszuweisen. Neue Zahlen für das erste Quartal 2014 zeigen jetzt einen deutlichen Rückgang auf nur noch 18 Prozent.

Android: Google vs. AOSP

Mit Android ist das ja so eine Sache: In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Android oftmals als die ehrenwerte, weil quelloffene, Alternative zu den geschlossenen mobilen Betriebssystemen iOS und Windows Phone. Zumindest auf die von Google vertriebene und daher extrem populäre Android-Version trifft dies nicht zu, daher ist es äußerst spannend zu sehen, welche Marktanteile die Google- und die tatsächlich quelloffene AOSP-Version (Android Open Source Project) von Android jeweils erreichen.

Die Marktforscher von ABI Research hatten für das vierte Quartal 2013 erstmals gesonderte Zahlen veröffentlicht, wonach auf gut 30 Prozent aller Android-Smartphones gar nicht Googles eigene Android-Version läuft, sondern eine der vielen AOSP-Varianten. Da Google Android über seine Services (von Youtube über Google Maps und GMail bis hin zu Google Drive und vor allem die Play-Services Music, Books und Movies) monetarisiert, ergibt sich hier ein nicht zu vernachlässigendes Problem, immerhin kann Google bei AOSP-Versionen keinerlei Einfluss auf die Platzierung seiner Services nehmen.

Man denke beispielsweise nur an Amazons eigene Android-Version Fire OS oder Nokias Android-Derivat für das Nokia X, X+ und XL. (Wobei wiederum fraglich ist, ob man diese einst aus dem AOSP hervorgegangenen Android-Versionen heute tatsächlich noch unter dem AOSP-Label führen kann?)

Umso interessanter, dass es Google offenbar gelungen ist, den AOSP-Marktanteil für das erste Quartal 2014 wieder gehörig zu senken.

ABI Research: 300 Millionen verkaufte Smartphones im 1. Quartal 2014

In der neuesten Übersicht zu den Verkaufszahlen und Marktanteilen von Smartphone-Betriebssystemen für das erste Quartal 2014 ändert ABI Research allerdings leider im Vergleich zum vierten Quartal 2013 die Grundgesamtheit und zählt plötzlich auch „Basic Mobile Phone“ mit dazu, also herkömmliche Feature Phone. So wird zwar deutlich, dass der immer weiter steigende Marktanteil von Android vor allem von all denjenigen Handy-Nutzern kommt, die ihr Feature Phone durch ein Smartphone ersetzen. Auf der anderen Seite kann man die so von ABI Research errechneten Marktanteile nicht mit denen anderer Marktforscher vergleichen, weil sich diese eben auf den gesamten Handy-Markt beziehen und nicht, wie sonst üblich, nur auf den Smartphone-Markt. Also ist ein wenig mathematische Eigeninitiative gefragt.

ABI Research selbst schreibt von „just under 300 million smartphones shipped in Q1 2014“, und tatsächlich kommt man auf insgesamt 299,6 Millionen Smartphones, wenn man die 127,6 Millionen Feature Phones von den 427,2 Millionen insgesamt verkauften Handys abzieht. Auf dieser Basis müssen also im Folgenden die entsprechenden Marktanteile der einzelnen Smartphone-Betriebssysteme errechnet werden. Die derzeit einzigen sonst erhältlichen Zahlen zum ersten Quartal 2014 von IDC und Strategy Analytics gehen dabei von 281 bzw. 285 Millionen verkauften Smartphones aus, ABI Research liegt also mit 300 Millionen deutlich darüber.

Android mit 80 Prozent Marktanteil, AOSP-Marktanteil fällt auf 18 Prozent

Android erreicht dabei mit insgesamt 240,7 Millionen verkauften Smartphones einen Marktanteil von 80,3 Prozent. Im vierten Quartal 2013 lag dieser Wert mit 222 Millionen Smartphones noch bei 77 Prozent. Während Googles eigene Android-Version im vergangenen Quartal mit 150 Millionen Geräten aber nur auf 52 Prozent Marktanteil unter allen verkauften Smartphones kam, liegt dieser Wert im ersten Quartal 2014 bei inzwischen 62,4 Prozent – und 187 Millionen Geräten. Der AOSP-Marktanteil dagegen fiel von 25 Prozent und 71 Millionen Smartphones auf nur noch 17,9 Prozent und knapp 54 Millionen Smartphones.

Anders ausgedrückt: Obwohl insgesamt mehr Android-Smartphones ausgeliefert wurden, ging der Marktanteil der verschiedenen AOSP-Versionen stark zurück. Der Grund hierfür erschließt sich mir noch nicht so recht, es könnte aber zum Beispiel daran liegen, dass mehr und mehr Markenhersteller mit offiziellem Google-Android günstige Einsteigergeräte in Märkte drücken, in denen bisher inoffizielle AOSP-Geräte vorherrschten. Aus welchem Grund auch immer, für Google ist dies zweifelsfrei eine positive Entwicklung.

Verkaufszahlen und Marktanteile der größten Smartphone-Betriebssysteme im ersten Quartal 2014.

Verkaufszahlen und Marktanteile der größten Smartphone-Betriebssysteme im ersten Quartal 2014. Aufgrund der Einbeziehung von „Basic Mobile Phones“ entsprechen die hier angegebenen Marktanteile nicht den jeweiligen Marktanteilen im Smartphone-Markt. Quelle: ABI Research

Der Vollständigkeit halber seien auch die übrigen Marktanteile noch erwähnt, auch wenn es hier keine großen Überraschungen gibt: Apples iOS kommt bei 43,7 Millionen verkauften iPhones auf 14,6 Prozent Marktanteil, Windows Phone bei 13,3 Millionen verkauften Geräten auf 4,4 Prozent und Blackberry bei lediglich noch 1,4 Millionen verkauften Blackberrys (0,6 Millionen mit BB10, 0,75 mit dem älteren Blackberry OS) auf nur noch 0,45 Prozent (BB10 0,2 Prozent, BB OS 0,25 Prozent).

20 Millionen Geräte hin oder her: Ungereimtheiten bei den Zahlen zum vierten Quartal 2013

Bei genauem Hinsehen dürfte dem Einen oder Anderen aufgefallen sein, dass die jetzt von ABI Research präsentierten Zahlen zum vierten Quartal 2013 so überhaupt nicht zu den im Januar veröffentlichten Zahlen passen wollen. Mir ist noch nicht so ganz klar, woher der enorme Unterschied kommt, denn auch wenn in der neueren Grafik auch „Basic Mobile Phones“ angegeben sind, die Smartphone-Zahlen sollten doch gleich geblieben sein, egal ob die Zahlen zum vierten Quartal 2013 aus dem Februar oder Mai stammen.

Im Februar kam ABI Research für das vierte Quartal 2013 auf 220 Millionen Android-Smartphones, jetzt im Mai für den gleichen Zeitraum aber auf mehr als 240 Millionen. „Basic Mobile Phones“ dürften auf Android jedenfalls keinen Einfluss haben. Da die Zahlen aus dem Januar sehr viel besser zu den Ergebnissen anderer Marktforscher passen habe ich mich entschieden, für den Vergleich mit dem vierten Quartal auf die älteren Zahlen zurückzugreifen – wohl wissend, dass der ganze Vergleich hinfällig sein könnte, wenn die Zahlen aufgrund der Einbeziehung der „Basic Mobile Phones“ eben gar nicht vergleichbar sind. Was ich, wie gesagt, für Android ziemlich merkwürdig fände. Ich habe inzwischen mit ABI Research Kontakt aufgenommen und bin gespannt, ob sich diese Differenz aufklären lässt.

[21:30 Uhr:] Inzwischen hat mir ABI Research mitgeteilt, dass die Differenz schlicht durch eine Korrektur der früheren Zahlen zustande kommt. Soll heißen: Im Januar wurden die Android-Verkaufszahlen für das vierte Quartal 2013 noch niedriger eingeschätzt als jetzt im Mai. Da ich für den Vergleich bewusst die Januar-Zahlen herangezogen habe (weil sie viel besser zu den Zahlen anderer Marktforscher passen) ist der hier errechnete Vergleich mit dem vierten Quartal 2013 somit hinfällig. Die Marktanteile für das erste Quartal 2014 sind davon natürlich nicht betroffen!

Glaubt man diesen Zahlen, dann wäre natürlich auch die Kernaussage des Artikels revidiert und der AOSP-Marktanteil scheint gleich geblieben zu sein. Aber: Mit dieser Korrektur stellt ABI Research doch im Grunde auch die jetzt „aktuellen“ Zahlen für das erste Quartal in Frage? Wer weiß schon, ob man diese Zahlen in wenigen Wochen nicht auch nach unten oder oben korrigieren müsste…