Tablet-Verkaufszahlen, App-Store-Überblick und Apple Watch: Mobile-Rückblick auf KW 3

Google Glass verlässt Googles berüchtigte X-Labs und wird zu einem eigenständigen Geschäftszweig, Sony will angeblich seine Smartphone-Sparte loswerden und auch zu einem Blackberry-Verkauf gibt es erneut Gerüchte – zumindest in der Hinsicht geht eine spannende Woche zu Ende. Mobile-Zahlen gab es vergangene Woche nämlich nicht sehr viele.

Mehr als 540 Millionen verkaufte Tablets bis 2018

Mit den Tablet-Verkaufszahlen ist das so eine Sache. Durch die zweistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre haben sich hier Erwartungen festgesetzt, die jetzt nur schwer auch tatsächlich erreicht werden können. Vom Sterben des Formfaktors Tablet zu sprechen ist aber natürlich trotzdem verfrüht, wie einmal mehr die Marktforscher bei CCS Insights zeigen.

Demnach lag die Wachstumsrate 2014 im Vergleich zum Vorjahr bei lediglich neun Prozent (was für manch andere Branche Grund zum Jubel wäre), dürfte aber 2015 im Vergleich zu 2014 auf beinahe schon unglaubliche 28 Prozent auf 283 Millionen verkaufte Tablets ansteigen. Und das Wachstum soll weitergehen, sogar auf bis zu 540 Millionen Tablets im Jahr 2018. Das scheint mir alles am oberen Ende des möglichen angesiedelt, zeigt aber trotzdem, dass nicht nur ich an einen weiterhin starken Tablet-Markt glaube.

Tablet-Verkaufszahlen 2015

Die Gründe hierfür? Für 2015 erwartet CCS Insight einen großen Erneuerungszyklus bei bestehenden Tablet-Besitzern, begünstigt durch weiter sinkende Preise. Hier sollen sich neben den günstigen Android- so langsam auch die kräftig im Preis gesunkenen Windows-Tablets bemerkbar machen. Und schließlich rechnet CCS Insight auch mit einer weiteren Belebung des Tablet-Marktes durch Geschäftskunden, nicht zuletzt auch durch den Apple-IBM-Deal.

App-Store-Überblick für Android, iOS und Amazons Fire OS

App Figures ist eine App-Tracking-Plattform für Entwickler. Warum das wichtig ist? Weil es sich dabei eben nicht um Marktforscher handelt, im App-Figures-Blog aber Zahlen zu den App Stores für Android, iOS und Amazons Fire OS veröffentlicht wurden. Da es hierzu keine weitere Quellenanagabe oder gar Erklärung gibt, dürften diese Zahlen also aus dem eigenen Netzwerk kommen und sollten mit entsprechender Vorsicht behandelt werden.

Schon alleine die Auswahl der untersuchten Stores wirft Fragen auf. Warum Apples App Store, Google Play und den Amazon Appstore aufnehmen, aber Microsofts Windows Phone Store nicht? Man sollte ja schon annehmen, dass es mehr Windows-Phone- als FireOS-Geräte gibt…

Trotz all dieser offenen Punkte dürfte es allerdings zutreffen, dass Apples App Store inzwischen von Google Play überholt wurde, ein entsprechend schnelleres Wachstum zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab. Laut App Figures wären über Google Play derzeit 1,43 Millionen Apps verfügbar, für iOS 1,21 Millionen. Das deckt sich auch einigermaßen mit den letzten mir bekannten (halbwegs) offiziellen Zahlen, wonach  im September 2014 1,3 Millionen bzw. im Juni 2014 1,2 Millionen iOS-Apps erhältlich waren. Gerade die letzte Zahl stammt dabei von Apple selbst, damit scheinen die von App Figures angegebenen 1,21 Millionen etwas zu tief gegriffen.

Anzahl Apps in Apple App Store, Google Play und Amazon Appstore

Quelle: App Figures

Für Google Play gibt es leider nur eine eher inoffizielle Zahl aus dem Juli 2013, aber bereits damals sollen eine Million Android-Apps verfügbar gewesen sein. 400.000 Apps in eineinhalb Jahren scheint ein durchaus realistisches Wachstum. Auch für Amazons Appstore könnten die Zahlen von App Figures hinkommen, laut Amazon selbst gab es im Juni 2014 240.000 Anwendungen, Ende 2014 sollen es dann 293.000 gewesen sein. Anders als von App Figures angenommen ist der Amazon Appstore damit aber nicht die drittgrößte App-Plattform: Allen Unkenrufen zum Trotz waren für Windows Phone nämlich bereits im September 2014 340.000 Apps erhältlich.

Studie konfus: 35 Millionen verkaufte Apple Watch erwartet

Es gibt Studien, da fragt man sich allen Ernstes warum sie bei so dürftigen Ergebnissen überhaupt veröffentlicht werden. Beispiel gefällig? Credit Suisse hat eine Umfrage durchführen lassen, wonach 18 Prozent aller bisherigen Käufer eines iPhone 6/6 Plus auch „definitiv“ eine Apple Watch kaufen werden.

Wie kann man von einem unverbindlichen „Klar, werde ich kaufen“ auch nur im Entferntesten erwarten, ernstzunehmende Prognosen abgeben zu können? Wo bisher ja weder ein bestätigter Veröffentlichungstermin noch genaue Funktionsbeschreibungen der Apple Watch existieren? Gerade der durchschnittliche iPhone-Nutzer dürfte also überhaupt noch gar nicht wissen, was Apples Smartwatch können wird und was nicht.

Und auch der Preis, wohl einer der wichtigsten Aspekte bei der Kaufentscheidung, ist derzeit noch nicht ganz klar. Und überhaupt: Warum eigentlich nur iPhone-6-Nutzer befragen, was ist mit den Besitzern früherer iPhone-Generationen?

Trotzdem wagt sich Credit Suisse auf dieser Grundlage an eine Prognose: Alleine auf Basis der iPhone-6-Benutzer soll das potenzielle Marktvolumen der Apple Watch bei 35 Millionen Geräten liegen. Gleichzeitig soll Apple zumindest für den Marktstart 2015 allerdings lediglich 20 Millionen Smartwatches produzieren (die Digitimes übrigens geht im Gegensatz dazu von 30 bis 40 Millionen verkauften Apple Watch aus, Morgan Stanley von 10 bis 30 Millionen Stück).

Eine angespannte Angebotssituation ist beim Marktstart neuer Apple-Produkte ja nun beileibe nichts Neues, aber um mehr als ein Drittel weniger als das angebliche Marktvolumen von nur einem kleinen Teil möglicher Käufer? Mir scheint da Apple eher mit einer anderen Nachfragesituation zu rechnen als Credit Suisse…

Apple gibt  ja löblicherweise sehr bereitwillig und vor allem regelmäßig öffentlich Auskunft über seine Verkaufszahlen. Ich kann nur hoffen, dass das zukünftig dann auch auf die wohl demnächst erscheinende Apple Watch zutrifft.