Smartphone-Markt Europa, GfK-Studie, LTE-Nutzung – Mobile-Rückblick auf KW 8

Eine der spannenden Sachen, wenn man einen Markt längere Zeit beobachtet, sind die langfristigen Entwicklungen, die sich eben erst mit Blick auf einen längeren Zeitrahmen offenbaren. So geschehen beispielsweise mit der Nutzung von LTE, zu der ich bereits im September 2013 eine Studie aufgegriffen habe. Von ABI Research kommen jetzt neue Zahlen, die einen großen Sprung in der LTE-Nutzung zeigen.

Viel spannender finde ich allerdings überraschend von IDC zum westeuropäischen Smartphone-Markt veröffentlichte Zahlen. Findet man im dem Umfang speziell zu Europa leider nicht oft.

IDC: 145 Millionen verkaufte Smartphones 2014 in Westeuropa

Außer den Veröffentlichungen des Kantar Worldpanel gibt es keine regelmäßigen Zahlen zum europäischen Smartphone-Markt. Naja, zumindest keine kostenlos zugänglichen… Umso schöner die Überraschung, die IDC allen Marktbeobachtern letzte Woche mit den Smartphone-Zahlen 2014 machte.

Demnach wurden 2014 in Westeuropa insgesamt 174 Millionen Mobiltelefone verkauft, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 5,2 Prozent. Dabei ist Westeuropa inzwischen fast ein reiner Smartphone-Markt, da die Verkaufszahlen von Feature Phone um enorme 39 Prozent auf nur noch 28,4 Millionen Stück zurückgingen. 84 Prozent aller 2014 in Westeuropa verkauften Handys waren also Smartphone, in Verkaufszahlen ausgedrückt: 145,8 Millionen. Das Smartphone-Segment wuchs dabei um 6,4 Prozent.

Zurückzuführen ist dieser Wechsel von herkömmlichen Handys hin zu Smartphones vor allem auf die stetig sinkenden Preise und den entsprechend harten Konkurrenzkampf im Niedrigpreisbereich. Laut IDC betraten alleine 2014 ganze 28 neue Smartphone-Hersteller den europäischen Markt – die sich allesamt im niedrigen Einsteigerbereich positioniert haben.

Damit werden sich zunehmend auch die Branchengrößen Samsung und Apple beschäftigen müssen. Samsung beispielsweise konnte 2014 zwar 51 Millionen Smartphones in Westeuropa verkaufen (35 Prozent Marktanteil) und kann sich damit noch immer größter Smartphone-Hersteller nennen, muss gleichzeitig im Vergleich zum Vorjahr aber einen Rückgang um 12,5 Prozent hinnehmen.

Apple dagegen fährt mit seiner Highend-ony-Strategie nach wie vor noch sehr gut und liegt mit 30,9 Millionen verkauften iPhones (21,2 Prozent Marktanteil) auf einem komfortablen zweiten Platz. Soweit die Gemeinsamkeiten mit dem globalen Smartphone-Markt. Anders als weltweit liegt in Westeuropa nämlich nicht Lenovo/Motorola an dritter Stelle, sondern etwas überraschend Sony mit 15,2 Millionen verkauften Smartphones und 10,4 Prozent Marktanteil.

Dass Windows Phone in Europa traditionell einen guten Stand hat, wissen wir ebenfalls aus dem Kantar Worldpanel. Dass Microsoft/Nokia aber für das gesamte Jahr 2014 in Westeuropa auf dem vierten Platz liegt überrascht dann aber doch. 10 Millionen verkaufte Smartphones reichen für 6,9 Prozent Marktanteil. LG liegt mit 8,6 Millionen Smartphones und 5,9 Prozent Marktanteil auf dem fünften Platz.

Auch  Phablets nehmen in Westeuropa zunehmend Fahrt auf und machen bereits 10 Prozent aller verkauften Smartphones aus. 2014 wurden 14,3 Millionen Phablets verkauft, ein jährliches Wachstum von 174 Prozent.

Smartphone-Marktanteile für Westeuropa 2014

Wenig überraschend (weil ebenfalls aus dem Kantar Worldpanel bekannt), aber nicht minder spannend, ist dann der Blick auf die Marktanteile mobiler Betriebssysteme in Westeuropa. Android liegt hier mit 71,2 Prozent Marktanteil an erster Stelle, gefolgt von iOS mit 21,2 Prozent. Windows Phone kommt auf 6,8 Prozent.

Moment, 6,8 Prozent? Hatte nicht Microsoft/Nokia alleine bereits einen Marktanteil von 6,9 Prozent erreicht? Dass IDC einmal auf 10 Millionen verkaufte Geräte aufrundet und einmal genau 9,9 Millionen angibt sei großzügig ignoriert. Demnach hätten aber Microsoft und Nokia im europäischen Windows-Phone-Markt einen Marktanteil von 100 Prozent. Keine Spur also von anderen Windows-Phone-Herstellern wie HTC oder Samsung! Allerdings ist schon seit längerem bekannt, dass außer Nokia kaum ein Hersteller nennenswert Windows-Phone-Geräte absetzen kann.

Blackberry ist, zumindest was Verkaufszahlen von Smartphones angeht, inzwischen so unbedeutend, dass viele Marktforscher Blackberry gar nicht mehr gesondert aufführen. Bei IDC kommt das Blackberry OS für 2014 in Westeuropa noch auf 0,7 Prozent, demnach hätte Blackberry gerade einmal eine Million Smartphones verkauft. Das einst so ambitioniert gestartete Firefox OS kommt bei lediglich 100.000 verkauften Geräten auf 0,01 Prozent Marktanteil. Fairerweise sollte man hier aber vielleicht erwähnen, dass Westeuropa nicht gerade zum Zielmarkt des Firefox OS gehört. Zumindest noch nicht.

Marktanteile von Smartphone-Betriebssystemen in Westeuropa

GfK: 40 Millionen verkaufte Smartphones in Westeuropa im vierten Quartal 2014

Komplettiert werden diese Zahlen von der GfK. Demnach wurden im vierten Quartal in Westeuropa 40 Millionen Smartphones verkauft, im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Wachstum von 14 Prozent. Weltweit beläuft sich die Anzahl verkaufter Smartphones für die letzten drei Monate 2014 auf 346,5 Millionen.

Im gesamten Jahr 2014 wurden laut GfK weltweit 1,2 Milliarden Smartphones verkauft, in Westeuropa 128 Millionen. Warum kommt IDC auf 145 Millionen verkaufte Smartphones, GfK aber „nur“ auf 128 Millionen? IDC betrachtet die Auslieferungen an den Handel, GfK dagegen tatsächlich an Endkunden verkaufte Geräte. Die Differenz wären also Smartphones, die 2014 ausgeliefert wurde, sich aber noch im Handel befinden.

Deutlich wird durch den regionalen Überblick der GfK dabei einmal mehr: Das Wachstum verschiebt sich zunehmend in Richtung Emerging Markets. Die größten Wachstumsmärkte, sowohl was Verkaufszahlen als auch was Umsätze betrifft, waren Lateinamerika, die APAC-Region sowie der mittlere Osten und Afrika. Dabei sollte man allerdings China nicht vergessen: Auch wenn das Wachstum dort nicht mehr so hoch ist wie früher, ist China inzwischen mit Abstand der größte Smartphone-Markt.

Smartphone-Verkaufszahlen 2014 für Europa

100 Millionen Mobilfunkteilnehmer nutzen LTE

Im September 2013 hatte ich mich mal gefragt, wer (in Deutschland) eigentlich überhaupt bereits LTE nutzt. Inzwischen sind eineinhalb Jahre vergangen, und ABI Research gibt mir, zumindest für den globalen Markt, eine Antwort: Inzwischen offenbar mehr als 100 Millionen Mobilfunkteilnehmer. Dabei muss man allerdings genau hinschauen: ABI Research spricht sogar vom weiterentwickelten LTE-Advanced-Standard.

Ende 2014 gab es demnach laut ABI Research weltweit 49 Mobilfunkanbieter, die LTE-Advanced im Angebot hatten, 20 davon in Westeuropa, 13 im asiatisch-pazifischen Raum. In Nordamerika gibt es zwar die meisten Nutzer, wie viele Anbieter es gibt verrät ABI Research aber nicht. Die großen vier (AT&T, Sprint, Verizon, T-Mobile) gehören aber natürlich dazu.