Tablet-Markt Q4 2014 mit IDC, Strategy Analytics und Canalys: Mobile-Rückblick auf KW 6/1

Zumindest den Klickzahlen nach zu urteilen kam der letzte Wochenrückblick in zweigeteilter Form ziemlich gut an, also warum das Ganze nicht einfach wiederholen? Zugegebenermaßen bleibt mir bei der Fülle an Veröffentlichungen der letzten Woche auch für diesen Rückblick aber eigentlich keine große Wahl…

Daher folgt hier auf Basis von IDC-, Strategy-Analytics- und Canalys-Zahlen zunächst ein genauerer Blick auf den Tablet-Markt im vierten Quartal 2014 bzw. für das gesamte Jahr 2014, bevor ich im zweiten Teil Zahlen von Lenovo/Motorola, Sony und Pebble vorstelle.

Strategy Analytics: Tablet-Markt im vierten Quartal 2014 wuchs um ein Prozent

Strategy Analytics hat vergangen Woche Zahlen veröffentlicht, wonach der Tablet-Markt im vierten Quartal 2014 ein minimales Wachstum von einem Prozent vorweisen kann. Demnach wurden in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres 78,3 Millionen Tablets verkauft, für den Löwenanteil ist nach wie vor Apple verantwortlich: 21,4 Millionen verkaufte iPads reichen locker für den ersten Platz im Tablet-Markt und sorgen für einen Marktanteil von 27 Prozent. Im Vorjahresquartal konnte sich Apple allerdings noch über 26 Millionen verkaufte iPads und 34 Prozent Marktanteil freuen…

Android dagegen konnte von 62 Prozent im vierten Quartal 2014 auf inzwischen 66 Prozent nochmals eine Schippe zulegen, und auch Windows steigerte sich von vier auf jetzt sieben Prozent Marktanteil. Allerdings reichen hierfür laut Strategy Analytics auch bereits 5,1 Millionen verkaufte Tablets.

Strategy Analytics zum Tablet-Markt im vierten Quartal 2014

IDC: Tablet-Markt schrumpfte um mehr als 3 Prozent

Anders als Strategy Analytics kommt IDC für den Tablet-Markt im vierten Quartal 2014 zu einem doch recht deutlichen Minus: Um 3,2 sollen die Verkaufszahlen zurückgegangen sein. Woher die Differenz zwischen den beiden Marktforschern kommt ist auf den ersten Blick nicht ganz klar, allerdings könnten hierfür zum Beispiel unterschiedliche Definitionen des Formfaktors Tablet eine Rolle spielen.

IDC jedenfalls kommt auf 76,1 Millionen Tablets, die in Q4 2014 verkauft worden sein sollen, im gesamten Jahr 2014 steht allerdings auch für IDC noch ein Plus von 4,4 Prozent unter dem Strich. Insgesamt sollen 2014 229,6 Millionen Geräte verkauft worden sein. Trotz der eher durchwachsenen Aussichten gehen die Marktforscher bei IDC aber auch für 2015 noch von einem Wachstum im Tablet-Markt aus, dafür sollen Windows-Tablets und größere Tablets jenseits der 10-Zoll-Marke sorgen.

Für das vierte Quartal 2014 kommt Apple laut IDC auf 21,4 Millionen verkaufte iPads und erreicht damit 28,1 Prozent Marktanteil. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Rückgang um 17,8 Prozent. Ähnlich hart hat es Samsung erwischt, elf Millionen verkaufte Tablets und ein Marktanteil von 14,5 Prozent bedeuten einen Rückgang von 18,4 Prozent.

IDC zum Tablet-Markt im vierten Quartal 2014

Unter den fünf größten Tablet-Herstellern konnte nur Lenovo auf dem dritten Platz Marktanteile zulegen, die Verkaufszahlen steigen im Vergleich zum vierten Quartal 2013 von 3,4 Millionen auf jetzt 3,7 Millionen (4,8 Prozent Marktanteil). IDC führt dies auf die äußerst variable Produktpalette von Lenovo zurück, die sowohl Android- als auch Windows-Tablets beinhalten und im Grunde die gesamte Preispalette bedient.

Den vierten Platz nimmt schließlich Asus ein und kommt bei 3 Millionen verkauften Tablets auf 4 Prozent Marktanteil. Einen wirklich katastrophalen Rückgang der Verkaufszahlen muss Amazon hinnehmen, hier geht es um enorme 70 Prozent nach unten: den 5,8 Millionen verkauften Tablets (7,4 Prozent Marktanteil) des vierten Quartals 2013 stehen jetzt noch 1,7 Millionen (2,3 Prozent) gegenüber.

Auch für das gesamte Jahr 2014 ergibt sich ein sehr ähnliches Bild, trotz 14,6 Prozent Minus liegt Apple mit 63,4 Millionen verkauften iPads (27,6 Prozent Marktanteil) noch weit vor Samsung mit 40,2 Millionen verkauften Geräten (17,5 Prozent). 11,5 Millionen verkaufte Tablets (5 Prozent) reichen Asus gerade noch für den dritten Platz, Lenovo liegt mit 11,2 Millionen (4,9 Prozent) aber nicht mehr weit dahinter.

Im Jahresdurchschnitt kommt Lenovo auf ein jährliches Wachstum von 43,5 Prozent. Da sage nochmal einer, im Tablet-Markt hätten nur noch Billiganbieter Wachstumschancen! Amazon dagegen verliert für das gesamte Jahr rund 66 Prozent und kommt auf magere 3,3 Millionen verkaufte Tablets (1,4 Prozent Marktanteil).

IDC zum Tablet-Markt 2014

Canalys: Tablet-Markt Q4 2014 mit 12 Prozent Rückgang

Zu guter Letzt hat auch Canalys vergangene Woche noch Zahlen zum Tablet-Markt im vierten Quartal 2014 in den Ring geworfen, die sich allerdings doch deutlich von denen der anderen Marktforscher unterscheiden.

Laut Canalys sollen die Tablet-Verkaufszahlen im vierten Quartal 2014 sogar um 12 Prozent zurückgegangen sein, demnach wären nur noch 67 Millionen Geräte verkauft worden. Auf Samsung entfallen dabei 11 Millionen Tablets, Apples 21 Millionen verkaufte iPads reichen bei Canalys für einen Marktanteil von 30 Prozent.

Anders als IDC und Strategy Analytics setzt Canalys Amazon mit vier Millionen verkauften Tablets (sechs Prozent Marktanteil) überraschend auf den dritten Platz, auch hier dürften unterschiedliche Definitionen davon, was ein Tablet ist, ausschlaggebend sein.

Lenovo kommt bei Canalys mit nur 3,7 Millionen verkauften Tablets auf 5,5 Prozent Marktanteil, HP verkaufte im vierten Quartal 2014 eine Million Tablets und Microsoft kann sich über zwei Millionen verkaufte Surface-Tablets freuen, zusammen mit seinen Hardware-Partnern konnten im vergangenen Quartal sogar mehr als sechs Millionen Windows-Tablets verkauft werden. Damit kommt Windows im Tablet-Bereich immerhin bereits auf neun Prozent Marktanteil.

Insgesamt also doch deutliche Abweichungen von den IDC- und Strategy-Analytics-Zahlen, die selbst viel enger beieinander liegen und denen ich daher den Vorzug geben würde.

Hat der Tablet-Markt noch eine Zukunft?

Nach all den – durchaus unterschiedlichen – Fakten bleibt natürlich die Frage, ob der Formfaktor Tablet an sich überhaupt noch eine Zukunft hat. Ich hatte bereits im vergangenen Jahr das eine oder andere Mal darauf hingewiesen, dass ich durchaus an ein weiteres Wachstum im Tablet-Markt glaube.

Dafür dürften sich auch zumindest in den nächsten Monaten noch genügend Nischen finden lassen. Zuerst waren es die günstigen 7-Zoll-Geräte, inzwischen mehr 8- und 9-Zoll-Tablets und zukünftig wohl eher Geräte mit einer Displaydiagonale jenseits der 10 und 11 Zoll. Abgesehen davon gibt es natürlich auch das hart umkämpfte Premium-Segment, in dem vor allem Apple und Samsung erfolgreich sind. Interessant ist sicherlich auch ein Blick auf Lenovo, die mit ihrer Preis- (Low- bis Highend bei stets ordentlicher Verarbeitung) und Produktstrategie  (Android und Windows) trotz zunehmender Konkurrenz ein ordentliches Wachstum vorweisen können.

Durch weiter sinkende Preise bei Phablets, die inzwischen gut und gerne die 6-Zoll-Grenze erreichen, und ebenfalls immer günstiger werdende 2-in-1-Geräte, die vor allem auf produktive Nutzer statt Multimedia-Konsumenten abzielen, dürfte es aber im klassischen Tablet-Markt spätestens 2016 durchaus schwierig werden. Letztlich dürfte es Gerätehersteller aber wenig interessieren, mit welchem Gerätetyp sie ihr Geld verdienen. Vorausgesetzt natürlich, ihre Produktpalette deckt die entsprechenden Marktsegmente ab.