iPhone-6-Boom, Wearables-Durchbruch und Seitensprung-Studie: Mobile-Rückblick auf KW 10

Ja, das wälzen endloser Studien zum Smartphone- und Tablet-Markt kann schon ermüdend sein. Da freut man sich durchaus, wenn man ab und an auch über abwegige, vielleicht auch kontroverse, witzige oder einfach nur seltsame Studien stolpert.

Über die meisten dieser Studien schreibe ich nicht, weil es mir dann doch zu weit vom eigentlichen Thema dieser Seite wegführt. Wenn das Ganze dann zu abstrus wird, kann ich mir meinen Kommentar aber doch nicht verkneifen. So beispielsweise bei der wissenschaftlichen Untersuchung, warum und vor allem wie man beim Schreiben von Textnachrichten in irgendwelche Hindernisse rennt. Oder bei der von Carl Zeiss aufgestellten Behauptung, digitalem Sehstress könne man durch spezielle Brillen vorbeugen.

Und dann veröffentlicht Victoria Milan, eine auf den diskreten Seitensprung  spezialisierte Partnervermittlungsagentur, letzte Woche eine Studie zum Thema Smartphone. Als ich stirnrunzelnd auf den Link klickte war mir eigentlich schon klar, dass ich es hier sicherlich mit spaßigen Ergebnissen zu tun bekommen würde. Und tatsächlich, der Rolle des Smartphone an sich als Ursache einer Affäre geht man in der „Studie“ zum Beispiel durch die Frage nach, ob „das Internet einen Seitensprung vereinfacht.“

Diese Frage wurde aber nicht etwa einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Grundgesamtheit gestellt. Diese Frage wurde registrierten Mitgliedern von Victoria Milan gestellt. Wer sich im Internet (!) auf dieser speziellen Seite anmeldet, dürfte wohl kaum Probleme haben, die Frage im Sinne der Studienautoren zu beantworten…Da wundert mich dann auch die (indirekte) Schlussfolgerung der Studie nicht mehr, Frauen würden sich für einen Seitensprung entscheiden, weil bzw. sobald ihr Partner sich zu sehr mit seinem Smartphone beschäftigt und sie sich zu sehr vernachlässigt fühlen. Ein neues Highlight in meiner inoffiziellen Kategorie „Studie kurios“!

Abseits von dieser Perle gab es vergangene Woche aber tatsächlich auch echte Studien zum Mobile-Markt, nämlich von Gartner und GfK sowie eine neue Ausgabe des Kantar Worldpanel.

Kantar Worldpanel: iPhone 6 sorgt für steigende iOS-Marktanteile

Das neue Kantar Worldpanel deckt die drei Monate November 2014 bis Januar 2015 ab und konzentriert sich vor allem auf die neue iPhone-Generation. Vor allem China hat sich hier erwartungsgemäß als großer Absatzmarkt entpuppt. Das neue iPhone 6 ist dort laut Kantar Worldpanel das am meisten verkaufte Smartphone und beschert Apple einen chinesischen Marktanteil von 25 Prozent.

Marktanteile mobiler Betriebssysteme laut Kantar Worldpanel.Die neue iPhone-Generation macht sich aber natürlich nicht nur in China bemerkbar, sondern zum Beispiel auch in Deutschland. Während iOS um 2,5 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent nach oben klettern konnte, ging der Marktanteil von Android um vier Prozentpunkte auf 71,1 Prozent zurück. Auch Windows Phone steht mit 8,9 Prozent vergleichsweise gut da – zumindest verglichen mit den 6,8 Prozent des Vorjahres.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch für den westeuropäischen Markt (Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich), wo Androids Marktanteil um 2,3 Prozentpunkte auf 67,2 Prozent zurückgegangen ist. iOS legte im gleichen Atemzug um 3,2 Prozentpunkte auf 21,9 Prozent zu. Windows Phone allerdings bleibt mit 9,6 Prozent knapp unterhalb der 10-Prozent-Marke.

Googles inzwischen langanhaltende Dominanz im Smartphone-Markt kann dieser kurze iPhone-6-Schub aber nicht wirklich gefährlich werden, wie neue Gartner-Zahlen zeigen.

Gartner: Apple im vierten Quartal wieder vor Samsung

Laut Gartners Zahlen zum ersten Quartal 2014 konnte Apple erstmals seit langem wieder an Samsung vorbeiziehen: Apple kommt bei 74,8 Millionen verkauften iPhones auf 20,4 Prozent Marktanteil, Samsung bei 73 Millionen verkauften Smartphones auf 19,9 Prozent. Mit Blick auf andere Marktforscher ist das Ergebnis allerdings nicht ganz so eindeutig.

Lenovo kommt dank dem Motorola-Zukauf auf 24,3 Millionen verkaufte Smartphones (6,6 Prozent Marktanteil) und erkauft sich so erwartungsgemäß den dritten Platz im Smartphone-Markt. Huawei kommt bei 21 Millionen verkauften Smartphones auf 5,7 Prozent, Xiaomi bei 18,6 Millionen verkauften Geräten auf 5,1 Prozent Marktanteil. Insgesamt wurden im vierten Quartal 2014 367,5 Millionen Smartphones verkauft.

Smartphone-Verkaufszahlen für das vierte Quartal 2014 laut Gartner.

Für das gesamte Jahr 2014 liegt Samsung dagegen mit 307,6 Millionen verkauften Smartphones (24,7 Prozent Marktanteil) deutlich vor Apple mit 191,4 Millionen iPhones (15,4 Prozent). Lenovo kommt hier auf 81,4 Millionen verkaufte Smartphones (6,5 Prozent), Huawei auf 68 Millionen (5,5 Prozent) und LG auf 57,7 Millionen (4,6 Prozent). Im gesamten Jahr 2014 wurden 1,2 Milliarden Smartphones verkauft, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von knapp 30 Prozent.

Smartphone-Verkaufszahlen 2014 laut Gartner.

Ein Blick auf die Marktanteile der wichtigsten Smartphone-Betriebssysteme  zeigt schließlich, wie wenig der kurzfristige iPhone-Boom an Androids Vormachtstellung zu rütteln vermag: 2014 wurden erstmals mehr als eine Milliarde Android-Geräte verkauft, der Marktanteil stieg selbst auf dem hohen Niveau noch um zwei Prozentpunkte auf jetzt 80,7 Prozent. iOS musste demgegenüber sogar 0,1 Prozentpunkte abgeben und liegt damit bei 15,4 Prozent. Windows Phone kommt bei lediglich 35 Millionen verkauften Smartphones auf 2,8 Prozent Marktanteil, Blackberry bei knapp acht Millionen verkauften Geräten auf 0,6 Prozent.

Marktanteile mobiler Betriebssysteme laut Gartner 2014.

Es sieht also so aus, als müssten wir uns noch lange mit Android als vorherrschendem mobilen Betriebssystem auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang sei allerdings auf den letzten Wochenrückblick verwiesen, wonach sich mit Android kaum Umsätze machen lassen

GfK: 2015 sollen 51 Millionen Wearables verkauft werden

Ausführliche Studien zu Wearables sind immer noch eher selten zu finden, umso erfreulicher ist die GfK-Studie von vergangene Woche, wonach 2014 weltweit gerade einmal vier Millionen Smartwatches und 13,5 Millionen Fitness-Armbänder verkauft wurden. Zusammen also 17,6 Millionen Wearables.

Für 2015 rechnet die GfK allerdings mit einem enormen Schub und sagt 51,2 Millionen verkaufte Wearables voraus, davon 26,1 Millionen Smartwatches und 25 Fitness-Armbänder. Der Großteil davon soll natürlich vor allem in wohlhabenderen Regionen wie Westeuropa (5,4 Millionen verkaufte Smartwatches erwartet) und Nordamerika (7,4 Millionen) abgesetzt werden. Im vierten Quartal 2014 beispielsweise machten die gesamten Verkaufszahlen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bereits 36 Prozent aller weltweit verkauften Wearables aus.

Wearables-Verkaufszahlen 2014/2015 laut GfK.