Lumia-Verkaufszahlen: Microsoft verkauft 8 Millionen Smartphones – Mobile-Rückblick auf KW 17

Seit kurzem in Deutschland erhältlich: das Lumia 640. Quelle: Microsoft

Seit kurzem in Deutschland erhältlich: das Lumia 640. Quelle: Microsoft

Auch die letzte Woche war, was Mobile-Zahlen betrifft, vergleichsweise ruhig, sowieso wurde aber natürlich alles vom wahrscheinlich wichtigsten Erscheinungsdatum des Jahrzehnts überschattet: Apple hat endlich die ersten seiner Smartwatches verschickt (in deren eigenem App Store es derzeit offenbar bereits 3.000 Anwendungen gibt).

Fast interessanter sind allerdings die Konzernzahlen von Microsoft für das erste Quartal 2015, die im Trubel um die Apple Watch ein wenig untergegangen sind, aber die Anzahl von mehr als acht Millionen verkauften Lumia-Smartphones verraten.

8,6 Millionen verkaufte Lumias  im ersten Quartal 2015 – ein Erfolg?

Damit kann sich Microsoft ganz klar über einen neuen Rekord freuen, nie wurden in einem ersten Quartal so viele Lumia-Smartphones verkauft wie in den ersten drei Monaten 2015. Den 8,6 Millionen verkauften Lumias des ersten Quartals 2015 stehen 7,1 Millionen verkaufte Geräte im ersten Quartal 2014 und lediglich 5,6 Millionen im ersten Quartal 2013 gegenüber.

Auf den ersten Blick sieht das also wie eine ordentliche Erfolgsgeschichte aus – wenn da nur die leidige Konkurrenz nicht wäre. Im zweiten Quartal 2014 wurden 7,9 Millionen Lumias verkauft, im  dritten Quartal 9,3 Millionen und im vierten Quartal schließlich 10,5 Millionen. Für das gesamte Jahr 2014 kommt man so auf 34,8 Millionen verkaufte Lumia-Smartphones.

Im gleichen Zeitraum hat allerdings alleine Apple bereits mehr als 190 Millionen iPhones verkauft, also mehr als fünf Mal so viele! Samsung kommt für das gesamte Jahr 2014 sogar auf mehr als 300 Millionen (!) verkaufte Smartphones, während die Anzahl aller verkauften Android-Smartphones locker die Milliarden-Grenze sprengt. Kann man da bei 8 Millionen verkauften Lumias im 1. Quartal 2015 tatsächlich noch von einem Erfolg sprechen?

Microsoft/Nokia konnten und können das Momentum im Smartphone-Markt nicht nutzen

Noch deutlicher wird Microsofts Problem, wenn man sich die Lumia-Verkaufszahlen im Vergleich zum Wachstum des gesamten Smartphone-Marktes ansieht (die Quellen finden sich alle in den entsprechenden Übersichten zu den jeweiligen Quartalen):

Smartphone-Verkaufszahlen 2014 für Microsoft/Nokia und den gesamten Markt.

Alleine anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass Microsoft/Nokia einfach nicht genug Kapital aus dem immer noch starken Wachstum des Smartphone-Marktes schlagen konnten. Über die Gründe hierfür könnte man noch seitenweise weiterschreiben, zum Großteil ist hierzu aber einfach schon alles gesagt. Die grundlegende Frage vom Anfang aber bleibt: Sind 8,6 Millionen verkaufte Lumias für das erste Quartal nun ein Erfolg?

Rein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicherlich nicht, ironischerweise verdient Microsoft ja mit seinem Portfolio an Android-Patenten weit mehr Geld als mit seinem eigenen Smartphone-Business. Und auch Windows Phone, rein als Smartphone-Betriebssystem betrachtet, gewinnt durch acht Millionen neu genutzte Smartphones nicht signifikant an Bedeutung. Immerhin wachsen die Verkaufszahlen noch, was auch die gesamte Nutzerbasis und damit die Anreize erhöht, für Windows Phone zu entwickeln.

Insofern muss die Frage wohl mit Jein beantwortet werden: Das Wachstum ist einfach zu gering, um wirklich von einem Erfolgsquartal sprechen zu können, gleichzeitig gibt es aber im Vergleich zum Vorjahr überhaupt ein Wachstum.

Umfassende Windows-Plattform wichtiger als Marktanteile

Viel wichtiger als Marktanteile und Verkaufszahlen ist Microsoft aber die bloße Existenz von Windows Phone. Windows ist derzeit das einzige Betriebssystem, das übergreifend auf so unterschiedlichen Plattformen wie Servern, PCs, Tablets und Smartphones oder auch Embedded-Geräten läuft und vor allem in einer einheitlichen Art und Weise anprogrammiert, abgesichert und verwaltet werden kann. Mit Windows 10 wird dies zudem noch viel mehr der Fall sein.

Für Microsoft ist dies in vielen Geschäftsszenarien ein viel zu großer Vorteil, als dass die oft nahegelegte Beerdigung von Windows Phone tatsächlich erfolgen würde. An  einen späten Erfolg, was Verkaufszahlen und Marktanteile betrifft, glaubt bei Microsoft wahrscheinlich niemand mehr. Als Business-Argument ist es für Microsoft aber schlicht zu wichtig, auch auf Smartphones präsent zu sein. Die pure Existenz ist so gesehen schon Erfolg genug.